Charlie Hebdo: Instrumentalisierung der Feindbilder

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Es wird eine Explosion geben

Der heutige Terroranschlag von Paris, der bis zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels zwölf Tote und viele Schwerstverletzte forderte, ist eine Zäsur. Mit absolut kaltblütiger Präzision töteten drei noch unbekannte islamistische Verbrecher ihre Opfer und tauchten dann mit einem Fluchtwagen ab. Doch aus ihrer Sicht hatten die Täter nicht irgendwen ermordet. Ziel war die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in der Pariser Innenstadt. Von dort aus hatten die da arbeitenden Journalisten immer wieder offen die Religionen karikiert, also auch den Islam. Seit Jahren hatte aber gerade diese Islamkritik in Bildform bei radikalen Moslems immer wieder für Hassausbrüche und Klagen vor Gericht gesorgt. Die ab 2006 angestrengten Gerichtsprozesse wurden zwar von „Charlie Hebdo“ gewonnen, heute aber nahmen ihnen die extremen Kräfte des Islams ihre physischen Leben. Unser Mitgefühl gilt an dieser Stelle allen Hinterbliebenen der Mordopfer und auch ganz Frankreich, wo die Bürgerinnen und Bürger das rücksichtslose Vordringen der terroristischen Gewalt mitten in ein Herzstück der Demokratie, nämlich der Pressefreiheit, erleben mussten.

Doch dieses schreckliche Ereignis steht zusätzlich noch unter einem ganz anderen Omen. Die französische Gesellschaft befindet sich gegenwärtig ohne Zweifel in einer fundamentalen Krise. Von dieser Krise war bis jetzt das Miteinander der verschiedenen Religionen betroffen, insbesondere das mit den Moslems. Der Arbeitsmarkt hat nichts als katastrophale Werte vorzuweisen, die Jugendarbeitslosigkeit ist astronomisch hoch und die Verarmung nimmt drastisch zu. Eine farblose, geradezu unfähige sozialistische Regierung unter Staatspräsident Francois Hollande scheint stetig all das nur noch schlimmer zu machen. Dazu kommt auch noch die absurd hohe Staatsverschuldung und die Dauerkrise des Euros sowieso. All diese unbearbeiteten Schmelztiegel werden aber naturgemäß immer negativer. Das bringt nur einer Person massiven Aufwind in der Politik: Der rechtsextremen Front National-Politikerin Marine Le Pen, die nach wie vor die „Sonntagsfrage“ zu den Präsidentschaftswahlen des Landes als Nummer eins anführt. Der durch sie geschürte Islamhass wird mittels des heutigen Ereignis‘ einen ungeheuerlichen Aufschwung erfahren, weil Marine Le Pen sich diese Steilvorlage zur Instrumentalisierung von Terror niemals entgehen lassen würde; und tatsächlich: Auf Facebook schiesst ihre Öffentlichkeitsmaschine bereits aus allen Rohren.

le penMarine Le Pen aber will, das muss spätestens jetzt auch der letzte Hinterbänkler begriffen haben, die Eurozone, also die Währung selbst, völlig zerstören. Wenn das passiert, ist das einstige Friedensprojekt Europa jedoch am Ende. Man kan sich absolut sicher sein, dass diese für die Nachkriegszeit einmalige politische Explosion im Falle ihrer erfolgreichen Präsidentschaftskandidatur auch kommen wird. Frankreich ist der Kern der EU und ohnehin ist das ganze EU-System auch jetzt schon nach all den Dauerkrisen viel zu geschwächt. Wohin dieser Wahnsinn führen würde, das weiss indes keiner; nur, dass es nicht gut enden wird. Der Ökonom Heiner Flassbeck sagt seit Jahren aber genau das, nur wollte ihm lange Zeit kaum jemand glauben. Er sagt, dass Marine Le Pen im Falle eines Zusammenkommens einiger ungünstiger Ereignisse Präsidentin werden wird und dass es verrückt ist, auf das Ausbleiben solcher Vorfälle zu hoffen. Jetzt ist genau das Gegenteil passiert. Die Chefin des Front National hat die Propagandavorlage ihres Lebens bekommen, sie wird das Massaker allen anlasten, besonders der Gesamtheit der im Lande lebenden Moslems und den anderen Parteien. Sie wird damit Erfolg haben. Die finanzielle Schuldenspirale ist stellvertretend für die Spirale der gegenseitigen Entfremdung der Menschen untereinander. Irgendwann aber ist der Schlusspunkt erreicht, höchstwahrscheinlich also 2017. Wer nicht wie Heiner Flassbeck in Frankreich lebt, kann all das vielleicht gar nicht nachvollziehen und ruht sich bequem auf der deutschen Wohlstandscouch aus. Doch auch diese Bettstatt des Wohlstands wird zunehmend unangenehmer, zumal viele armutsbedingt ja gar nicht von ihr profitieren können.

http://derstandard.at/2000008165533/Wenn-Marine-Le-Pen-Praesidentin-wird-ist-Europa-am-Ende

Es sind die politischen Scharfmacher wie PEGIDA, AfD & die putintreue Volksquerfront rund um gruselige Menschenkarikaturen wie Jürgen Elsässer, die unablässig ihren widerlichen Hass unter die Menschen gießen. Dabei sind ihnen freilich auch die Methoden einer besoffenen Kanaille nicht schäbig genug, sie würden sich schlicht für alles Geldbringende prostituieren. Mit seinem heutigen Artikel hat der Alkoholiker Elsässer aber sein erschreckendes Allzeit-Tief erreicht.

https://juergenelsaesser.wordpress.com/2015/01/07/der-terror-in-paris-zeigt-wie-recht-pegida-hat/

Auch AfD-Gauland missbraucht das Pariser Massaker hemmungslos für seine Zwecke. Während das Volk also auf dem Pulverfass sitzt, reichen diese ekelhaften Schlangen auch noch Streichhölzer. Es wird Zeit, dass für Amokläufer wie PEGIDA-Bachmann, AfD-Gauland und Antisemiten-Else ein für alle Mal der letzte Akt zum Abschluss kommt. Dann aber wird man wieder nach Frankreich schauen müssen; denn dort braut sich eine politische Dunkelbrühe zusammen, die diese deutschen Giftzwerge im Vergleich wie das aussehen lässt, was sie im Grunde immer waren: Gescheiterte, haltlose Winzlinge, deren Ziel es ist, die eigene Erbärmlichkeit noch auf möglichst viele andere Menschen zu übertragen. Kotzen wir also kurz auf diese Jammerlappen und dann geht es darum, um die Opfer zu trauern und den europäischen Rechtsdrall zu stoppen!

dieser Gastkommentar kommt von dem in Paris lebenden Deutschen Johannes Echternach