Jörn Kruse zum ‚Charlie Hebdo‘-Attentat: „Leider ist es viel früher passiert, als ich gehofft habe“

BildJörn Kruse ist Spitzenkandidat der AfD für die kommende Hamburger Bürgerschaftswahl und Landesvorsitzender der AfD Hamburg. Der Wahlkampf für die Bürgerschaftswahl im Februar 2015 wurde gestern von der AfD mit einer Veranstaltung begonnen, die nicht ohne den Rauswurf eines Pressevertreters und befremdlicher Redebeiträge verlief.

So ging Kruse in seiner Rede auch auf den Anschlag auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo ein. Bei Ihm klang das dann so: „Leider ist es viel früher passiert, als ich gehofft habe„. Ein Teil des Publikums klatschte sogar. Ein anderer Teil protestierte erschrocken, was Kurse veranlasste, wohl auch mit Blick auf die anwesende Presse, seine spontanen Worte zu berichtigen, indem er erklärte, er hätte „erwartet“ gemeint.

Zu der Wahlkampfveranstaltung am 10. Januar 2015 kamen etwa 400 Besucher, nicht alle sympathisierten mit der AfD. Einige Besucher auf den Stehplätzen zeigten mit ihrer Kleidung (Refugees welcome) ihre Meinung zu der von der AfD angestrebten Flüchtlingspolitik. Dies veranlasste die AfD, vor Beginn der Reden die Stehplätze räumen zu lassen, als Begründung gab man an, man täte dies „aus feuerwehrtechnischen Gründen“. Pressevertreter wurden als „Lügenpresse“ bezeichnet, ein Pressevertreter wurde sogar, trotz telefonischer Anmeldung zu der Veranstaltung, gewaltsam rausgeworfen. Auf der Bühne klammerte Jörn Kruse sich dann an sein Rednerpult und wetterte gegen die „politische Klasse“, das Kopftuch als „Symbol der Integrationsverweigerung“ und bezeichnete Burka-tragende Frauen als „schwarze Monster“.

Kruse trat im März 2013 mit sieben weiteren ehemaligen Mitgliedern der Freien Wählern der AfD bei. Der von Kruse geleitete Landesverband beherbergt ehemalige Mitglieder verschiedener rechter Parteien. Vertreten sind ehemalige Mitglieder der kulturrassistischen Partei „Die Freiheit“, wie z.B. der ehemalige Landesvorsitzende der Freiheit, Jens Eckleben, der wie Kruse für die kommende Bürgerschaftswahl kandidiert, der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Freiheit, Jan Luchterhand und Arno Willmer, ehemaliger Landesschatzmeister der Freiheit, heute Bezirkskandidat der AfD in Hamburg-Altona. Der ehemalige NPD-Kandidat, Björn J. Neumann, fand seinen Platz in Kruses Landesverband ebenso wie etliche frühere Mitglieder der Schill-Partei (Partei Rechtsstaatlicher Offensive), wie z.B. Dirk Nockemann, in der Ära Schill zeitweilig Innensenator und bis heute rechter Hardliner und zu dem Kruse ein enges Verhältnis pflegt. Auffällig ist, dass der Twitter-Account der Partei „Die Freiheit“ in Hamburg massiv für die AfD wirbt.freiheit macht werbung für afdhamburg kruse

Bereits bei einer Wahlkampfveranstaltung im Frühjahr 2014 fiel Kruses Landesverband durch schräge Äußerungen auf. Nachdem Lucke die Linie zur Rente und die Nachteile einer Goldwährung erklärt hatte, stand ein Herr auf und fragte, warum Deutschland Ostpreußen eigentlich nicht wieder annektieren könnte.

Auf dem Landesparteitag im letzten Herbst wurden dann die AfD-Kandidaten für die kommende Hamburger Bürgerschaftswahl gewählt. Mit Zuspruch von Parteichef Jörn Kruse kam der frühere Büroleiter von Schill und spätere Innensenator Dirk Nockemann auf Listenplatz 3, Ex-Schillianer Peter Lorkowski und Karina Weber erreichten Platz 7 und 22. Nach dem Parteitag erklärte nahezu der halbe Vorstand seinen Rücktritt. In der Erklärung warfen Schatzmeister Erich Marquart, Pressesprecher Oliver Scholl, der Bundesdelegierte Günther Siegert und die stellvertretende Landessprecherin Barbara Krüger-Sauermann Kruse vor, „seine Position durch gezielte Platzierung bequemer Gefolgsleute zu untermauern“. Gleichzeitig habe er „in unzulässiger Weise in die Vorstellung der ihm weniger genehmen Kandidaten aktiv eingegriffen“. Für Verwunderung bei manchen Mitgliedern hatte bei der Kandidatenaufstellung nicht nur gesorgt, dass die Parteiführung eine Liste ihrer Lieblingskandidaten lanciert hatte – sondern auch, dass Parteichef Kruse die ihm missliebigen Kandidaten hart persönlich attackierte. So ging Kruse Schatzmeister Marquart scharf an, der für Platz 6 antrat. Marquart scheitere bei der Wahl und nannte die Attacke später „nicht akzeptabel“. Kruse soll mit Nockermann eine Liste abgestimmt haben, was nur gelang, weil Nockemann weitere frühere Mitstreiter von Schill in die Partei geholt hätte. Kruse hingegen liess verlauten, die Begründung der Zurückgetretenen sein nur vorgeschoben und der Grund ihrer Rücktritte sei darin begründet, dass drei der vier Personen bei der Wahl für die aussichtsreichen Listenplätze zur Bürgerschaftswahl gescheitert sind, Kruse: „Und zwar aus Selbstüberschätzung, fehlendem Gespür, taktischem Ungeschick und mangelndem Stehvermögen.“.

Bei der Veranstaltung „Zuwanderung braucht klare Regeln“ zeigte Kruse, was für ein verbaler Grenzgänger er ist. Im Restaurant Porto Marina am Tibarg in Niendorf drängen sich 80 Besucher in einen kleinen Raum. Deutsche Senioren, wenige unter 70 Jahre, Pullunder, Krawatten, Gehstöcke. Kruse tastete sich bei seinem Vortrag gekonnt an Tabus heran, um dann kurz vor ihnen zu stoppen. So umgarnt er seine rechten Zuhörer, versucht aber, dem Vorwurf der rechten Stimmungsmache zu umgehen. Das klingt bei Kruse dann so: „Ich will nicht mit dem Satz zitiert werden, in Deutschland sind die Ausländer für die Kriminalität zuständig.“ Pause. „Na wer denn sonst?“, kommt aus dem Publikum. Oder: „ich will die These nicht kommentieren, dass mehr Migration zu mehr Kriminalität führt.“ Oder: „Ich will nicht spekulieren, woher die reisenden Einbrecherbanden kommen.“ Die Zustimmung seines Publikums ist ihm jedes Mal sicher. Ein älterer Herr fragt, was denn gegen die „Zigeuner“ getan werden könne und schiebt hinterher: „Ich habe immer Zigeuner gesagt, ich sage nicht Roma.“ Kruse antwortet, dass die Roma leider nicht abgeschoben werden könnten wegen der europäischen Freizügigkeit. Und führt weiter aus: „Wir können nicht verhindern, dass die hier herkommen. Die haben kulturell bedingte Integrationsprobleme. Wir wissen auch, dass viele von denen hier herkommen, weil allein unser Kindergeld hier höher ist, als was sie Zuhause bei sich verdienen können.“. Natürlich war auch Flüchtlingspolitik Thema des Abends: „Wir schieben viel zu wenig ab, oft aus Feigheit, das Gesetz auszuschöpfen.“ „Die Asylverfahren dauern zu lange. Da ist nicht mal das Geld das Problem, was aufgewendet wird, sondern die Leute selbst. Es wäre besser, sie nach sechs Wochen als nach sechs Monaten abzuschieben.“ Dann ein paar Seitenhiebe auf die Gruppe „Lampedusa-Flüchtlinge: „Die harmloseste Interpretation ist, dass sie schwarz arbeiten. Einige verdienen ihr Geld mit Kriminalität, Drogen, Einbruchdiebstahl.“ Kruse äußert dies ausdrücklich und bewusst nicht als Vermutung, sondern als Tatsache. Zur Berichterstattung über die AfD sagt Kruse: „Die einen Journalisten schreiben uns runter, weil sie links oder grün sind, die anderen kuscheln mit den konservativen Parteien und Angela Merkel. Die haben Angst vor uns. In ein paar Jahren wird die CDU froh sein, mit uns koalieren zu dürfen!“

Nach dem beim Kölner Hogesa-Aufmarsch zwei extrem rechte Mitglieder der Hamburger AfD, Tatjana Festerling und Claus Döring mitmarschierten, euphorisch über die gewalttätige, rassistische Demonstration berichteten und ankündigten, an weiteren Aufmärschen teilnehmen zu wollen, fiel in Presseberichten kein gutes Licht auf die AfD. Dies veranlasste Kruse zu flunkern indem er erklärte, beide „spielten in der Partei keine Rolle. Sie arbeiteten nicht in Gremien mit“ und seien für die Meinungsbildung der Partei irrelevant. Diese Behauptung entspricht aber nicht der Wahrheit. Festerling und Döring gehören zum Gründungsteam des Hamburger Landesverbandes. Festerling wurde so zur stellvertretenden Verantwortlichen im Team Marketing, Claus Döring wurde mit der Organisierung des Straßenwahlkampfs betraut. Im letzten Jahr wurde Hooligan Döring sogar im Bezirk Nord als Kandidat der Hamburger AfD aufgestellt. Und auch für die Pegida-Bewegung zeigt Kruse Verständnis: „Manche Ziele der Demonstranten kann ich entweder teilen oder zumindest verstehen. Viele Leute fühlen sich allein gelassen von der Politik, aber auch von den Medien. Die Politiker sollten weniger mit Staatspädagogik reagieren, sondern die Sorgen der Menschen ernst nehmen“.

Ob dieses rechte Sammelsurium in Hamburg Erfolg haben wird, darf bezweifelt werden.

Quellen:
http://www.taz.de/AfD-bei-der-Buergerschaftswahl/!152604/
 http://www.mopo.de/politik/buergerschaftswahl–afd-fuck-off—aktivisten-stoeren-wahlkampf-auftakt-in-hamburg,5067150,29530386.html
https://www.youtube.com/watch?v=Da_E0-W51z0
https://www.youtube.com/watch?v=b_pm7ofjOzU&feature=youtu.be
https://alternative-hamburg.de/kandidaten/
https://www.facebook.com/notes/alternative-f%C3%BCr-deutschland/prof-dr-j%C3%B6rn-kruse-wechselt-mit-sieben-weiteren-freien-w%C3%A4hlern-zur-partei-altern/551309144899429
http://www.taz.de/!147323/
http://www.mopo.de/politik/afd-hamburg-zoff-um-ex-schillianer–zerfleischt-sich-diese-partei-jetzt-selbst-,5067150,28685718.html
http://www.welt.de/print/welt_kompakt/hamburg/article133070643/In-der-AfD-verschaerft-sich-der-Ton.html
http://www.mopo.de/politik/wahlkampf-in-hausbruch-afd–ein-gipfel-rechter-miesepeter,5067150,26769406.html
http://www.bild.de/regional/hamburg/alternative-fuer-deutschland/unheimlicher-heimat-abend-38655766.bild.html
http://www.tagesspiegel.de/politik/rechtspopulisten-die-afd-flirtet-mit-pegida/11124200.html
http://www.keine-stimme-den-nazis.org/index.php?option=com_content&task=view&id=5728

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Die Leichenfledderer vom „European“

Oder warum „Bedenkenträger“ einfach mal die Finger stillhalten sollten!

Während ganz Frankreich von dem noch frischen Schock der entsetzlichen Terrorverbrechen gelähmt ist, lässt das Debattenmagazin „The European“ zwei skandalöse Artikel veröffentlichen. Das rotweingeschwängerte Gewäsch dieser selbsternannten Bedenkenträger kennt keine Pietät. Indem sie zu einem Zeitpunkt maximaler Grausamkeit die Mordopfer kritisieren, zeigen sie, dass sie von der offenen, emanzipierten Gesellschaft nichts halten. Diese furchtbare „Ja, aber“ – Apologetik des Terrorismus‘ hat die Wirkung einer direkten Ölzufuhr in die Hassflammen von islamistischen Ideologen und der AfD-Clique. Dann schaltet sich auch noch ein ehemaliger deutscher Spitzenpolitiker per Facebook in die European-Debatte mit ein. Mit diesem Wahnsinn muss endlich Schluss sein. Ein Kommentar von Florian Sailer.

Deniz Yücel hatte in seinem gestrigen Kommentar zu „Je suis Charlie Hebdo“ völlig Recht. In dem sehr lesenswerten Artikel erörtert er kurz, warum das kleine Wörtchen „Aber“ in diesem Zusammenhang so infam ist. Die Relativierung von Verbrechen schrankenloser Grausamkeit bedeutet immer auch, dass der Urheber selbiger seine unterschwellige Boshaftigkeit offenbart. Damit man aber die eigene moralische Verkommenheit nicht rechtfertigen muss, wird diese in eine vermeintliche Bedenkenträgerei unter der Überschrift „Aber“ umgedeutet. So geht Anti-Emanzipation auf deutsch. Dieser Rollback wird in erster Reihe auch von gewissen Propagandisten vollzogen. Wo kämen wir hin, wenn damit nicht unsere doppelten Lottchen von der Gehirnfaschings-Front, Jürgen Elsässer und Jürgen Todenhöfer, gemeint wären?! Eben.

„Diese beiden haben`s so richtig drauf“ , müssen sich Albert Wunsch [auch Satire muss nicht alles machen] und Meike Büttner [warum sind plötzlich alle Charlie Hebdo] , die auch unter Pseudonym fungiert, gedacht haben und schrieben einfach mal so drauf los. Daraufhin gab es in den Artikel – Kommentarspalten vom European selbst und auch auf dessen Facebook – Auftritt einen Shitstorm light. Richtig so, denn die Veröffentlichung dieses gelebten Schmierantentums war unerträglich! An dieser Stelle möchte ich die Leser dieses Watchblogs gerne direkt auf die beiden Artikel verweisen, sofern sie sie denn noch nicht gelesen haben.

Wer diese Schriften nun konsumiert hat, wird sich fragen, warum der Herausgeber des European, Alexander Görlach, überhaupt eine solche sein Geschäftsmodell schädigende Veröffentlichung zugelassen hat?! Ganz einfach: Ein Facebook-Anonymous führte mir gegenüber aus, quasi in der Tradition Charlie Hebdos zu stehen. Aber lest selbst, wie sich diese wandelnden Krokodilstränenfabriken sehen (übrigens: Die Mannschaft des European weigert sich nach wie vor, Redaktionskommentare auf Facebook {wie es sich eigentlich gehören würde} mit einem Klarnamenskürzel zu versehen. Bei einem Telefonat von heute sagte man mir gegenüber, dass man ja nicht ein so zahlreiches Personal wie bei der „WELT“ habe und sechs Angestellte ja viel weniger anonym seien als 30. Interessante Logik, wenn in der Realität zwar 6 x 0 immer noch 0 ist, also null Information, das jedoch schon irgendwie viel weniger anonym sein soll. Das andere Ende der Leitung von 16:43 Uhr bestand mir gegenüber jedoch ausdrücklich darauf, anonym bleiben zu wollen. Auch das ist ein skurriles Novum für ein angeblich doch so offenes „Debattenmagazin“ , wie der European eines zu sein vorgibt):

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Ich fasse es also zusammen: Zwei Journalisten fordern gegenüber Satirikern bei erneut noch nich getrocknetem Blut der Mordopfer die radikale Selbstzensur, wollen also die Meinungsfreiheit des linken Satireblatts „Charlie Hebdo“ rückwirkend eingeschränkt wissen, berufen sich aber beim üppigen Verschütten ihrer pietätlosen Häme mitsamt der Redaktion auf die Debattenfreiheit und wollen diese, in der Tradition Charlie Hebdos stehend, keinesfalls eingeschränkt sehen – ohne jemals den Anspruch oder gar die Kompetenzen eines Satireblatts gehabt zu haben. Diese Gegensatire zweier Irrgänger als „Debatte“ zu verkaufen, ist einfach krank. Nachdem sich jetzt also jeder auf die Debattenfreiheit und den Geist dieser in der Tat einzigartigen Pariser Wochenzeitschrift berufen kann und es diesbezüglich gar keine Grenzen gibt, erwarte ich für nächste Woche einen ausgedehnten Gastkommentar von den beiden Jürgens oder anderen Agitprop-Clowns. Dumm nur, dass die Zeichner von Charlie Hebdo für den Gesellschaftsblock der Zensoren und Aufhetzer immer nur eines übrig hatten: Kluge, witzige Verachtung.

Das Zeitungsteam überlebte erfolgreich jeden der gegen sie angestrengten Gerichtsprozesse eben dieser Zensoren und bezahlte am Ende dennoch mit dem eigenen Leben. Das konnte einer einfach nicht auf sich sitzen lassen. In einem vom European mittlerweile wieder gelöschten Kommentarexzess will der offenbar verwirrte Teenie-Liebhaber und gescheiterte Ex-Spitzenpolitiker Christian von Boetticher [WR-RechtStruz eines Hoffnungsträgers] nochmal ganz genau mitteilen, dass er immer Recht hat und dass Charlie Hebdo wahrscheinlich auch noch volksverhetzend war. Das nächste Mal werden wir von von Boetticher sicher erfahren, wie Mörder ganz legal die Volksverhetzer um die Ecke bringen können und Kumpel Chris auch diese Verfahren stets gewinnt. Gott in Frankreich, bewahre uns vor diesen CDU-Winkeladvokaten!

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In den kommenden Monaten werden wir alle noch unzählige weitere Beispiele aus vielen Richtungen erleben, welche aus der Ansammlung der Krokodilstränen irgendwann ein Meer werden lassen. Durch den damit verbundenen Ekel müssen wir durch und hoffentlich wird man in ein paar Jahren auf die Tage dieser Verbrechen zurückblicken können und feststellen, dass die terroristische Saat aus Hass und Wahn nicht aufgegangen ist.

Die Anschläge und Geiselnahmen im Bereich der Île-de-France forderten bis jetzt siebzehn Todesopfer und unzählige Verletzte & Traumatisierte. Mögen die Ermordeten in Frieden ruhen und die Versehrten eines Tages wieder genesen.

09.01.2015 – 23:00 Uhr.

Anmerkungen der Redaktion:

Nachdem unser Artikel „Es wird eine Explosion geben“ auch den Ökonom Heiner Flassbeck erreicht hat, teilte uns dieser gestern auf eine Email-Anfrage hin mit, dass er nächste Woche in seinem Blog einen ausführlichen Kommentar zu dem Thema Marine Le Pen, Frankreich, verschiedene Krisen und AfD veröffentlichen wird. Wir werden diesen Kommentar dann direkt bei uns im Blog und bei facebook veröffentlichen und bitten schon jetzt darum, dieses kommene und wichtige politische Thema zu beachten und sich rege an der Diskussion dazu zu beteiligen!

Update 12.01.2015:
der angekündigte Bericht von Heiner Flassbeck: http://www.flassbeck-economics.de/die-solidaritaet-die-frankreich-wirklich-braucht/

Auch wir empfinden den The European-Artikel als pietätlos und unverhältnismäßig. Zum einen wird da gesagt: Kurzform „Die waren ja selbst schuld“. Diese Aussage zeigt den fehlenden Anstand und Respekt von Albert Wunsch. Zum Anderen fordern im Umkehrschluss ‚Journalisten‘, dass man die Meinungsfreiheit (der Anderen) und die Pressefreiheit (der Anderen) einschränken sollte. Unliebsame Artikel dürfen ja nicht veröffentlicht werden, könnte ja Blasphemie dabei sein.

http://www.taz.de/Kommentar-Je-suis-Charlie-Hebdo/!152463/
https://www.facebook.com/ilker.deniz.yucel?fref=ts
http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Wunsch
http://www.theeuropean.de/albert-wunsch/9447-charlie-hebdo-auch-satire-muss-nicht-alles-machen
http://mutterseelenalleinerziehend.de/
http://mutterseelenalleinerziehend.de/impressum/
https://www.facebook.com/TheEuropean?fref=ts
http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_von_Boetticher#cite_note-14
http://wr-recht.de/boetticher.php
http://www.shz.de/schleswig-holstein/politik/von-boetticher-sturz-eines-hoffnungstraegers-id5404646.html

 

Es wird eine Explosion geben

Der heutige Terroranschlag von Paris, der bis zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels zwölf Tote und viele Schwerstverletzte forderte, ist eine Zäsur. Mit absolut kaltblütiger Präzision töteten drei noch unbekannte islamistische Verbrecher ihre Opfer und tauchten dann mit einem Fluchtwagen ab. Doch aus ihrer Sicht hatten die Täter nicht irgendwen ermordet. Ziel war die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in der Pariser Innenstadt. Von dort aus hatten die da arbeitenden Journalisten immer wieder offen die Religionen karikiert, also auch den Islam. Seit Jahren hatte aber gerade diese Islamkritik in Bildform bei radikalen Moslems immer wieder für Hassausbrüche und Klagen vor Gericht gesorgt. Die ab 2006 angestrengten Gerichtsprozesse wurden zwar von „Charlie Hebdo“ gewonnen, heute aber nahmen ihnen die extremen Kräfte des Islams ihre physischen Leben. Unser Mitgefühl gilt an dieser Stelle allen Hinterbliebenen der Mordopfer und auch ganz Frankreich, wo die Bürgerinnen und Bürger das rücksichtslose Vordringen der terroristischen Gewalt mitten in ein Herzstück der Demokratie, nämlich der Pressefreiheit, erleben mussten.

Doch dieses schreckliche Ereignis steht zusätzlich noch unter einem ganz anderen Omen. Die französische Gesellschaft befindet sich gegenwärtig ohne Zweifel in einer fundamentalen Krise. Von dieser Krise war bis jetzt das Miteinander der verschiedenen Religionen betroffen, insbesondere das mit den Moslems. Der Arbeitsmarkt hat nichts als katastrophale Werte vorzuweisen, die Jugendarbeitslosigkeit ist astronomisch hoch und die Verarmung nimmt drastisch zu. Eine farblose, geradezu unfähige sozialistische Regierung unter Staatspräsident Francois Hollande scheint stetig all das nur noch schlimmer zu machen. Dazu kommt auch noch die absurd hohe Staatsverschuldung und die Dauerkrise des Euros sowieso. All diese unbearbeiteten Schmelztiegel werden aber naturgemäß immer negativer. Das bringt nur einer Person massiven Aufwind in der Politik: Der rechtsextremen Front National-Politikerin Marine Le Pen, die nach wie vor die „Sonntagsfrage“ zu den Präsidentschaftswahlen des Landes als Nummer eins anführt. Der durch sie geschürte Islamhass wird mittels des heutigen Ereignis‘ einen ungeheuerlichen Aufschwung erfahren, weil Marine Le Pen sich diese Steilvorlage zur Instrumentalisierung von Terror niemals entgehen lassen würde; und tatsächlich: Auf Facebook schiesst ihre Öffentlichkeitsmaschine bereits aus allen Rohren.

le penMarine Le Pen aber will, das muss spätestens jetzt auch der letzte Hinterbänkler begriffen haben, die Eurozone, also die Währung selbst, völlig zerstören. Wenn das passiert, ist das einstige Friedensprojekt Europa jedoch am Ende. Man kan sich absolut sicher sein, dass diese für die Nachkriegszeit einmalige politische Explosion im Falle ihrer erfolgreichen Präsidentschaftskandidatur auch kommen wird. Frankreich ist der Kern der EU und ohnehin ist das ganze EU-System auch jetzt schon nach all den Dauerkrisen viel zu geschwächt. Wohin dieser Wahnsinn führen würde, das weiss indes keiner; nur, dass es nicht gut enden wird. Der Ökonom Heiner Flassbeck sagt seit Jahren aber genau das, nur wollte ihm lange Zeit kaum jemand glauben. Er sagt, dass Marine Le Pen im Falle eines Zusammenkommens einiger ungünstiger Ereignisse Präsidentin werden wird und dass es verrückt ist, auf das Ausbleiben solcher Vorfälle zu hoffen. Jetzt ist genau das Gegenteil passiert. Die Chefin des Front National hat die Propagandavorlage ihres Lebens bekommen, sie wird das Massaker allen anlasten, besonders der Gesamtheit der im Lande lebenden Moslems und den anderen Parteien. Sie wird damit Erfolg haben. Die finanzielle Schuldenspirale ist stellvertretend für die Spirale der gegenseitigen Entfremdung der Menschen untereinander. Irgendwann aber ist der Schlusspunkt erreicht, höchstwahrscheinlich also 2017. Wer nicht wie Heiner Flassbeck in Frankreich lebt, kann all das vielleicht gar nicht nachvollziehen und ruht sich bequem auf der deutschen Wohlstandscouch aus. Doch auch diese Bettstatt des Wohlstands wird zunehmend unangenehmer, zumal viele armutsbedingt ja gar nicht von ihr profitieren können.

http://derstandard.at/2000008165533/Wenn-Marine-Le-Pen-Praesidentin-wird-ist-Europa-am-Ende

Es sind die politischen Scharfmacher wie PEGIDA, AfD & die putintreue Volksquerfront rund um gruselige Menschenkarikaturen wie Jürgen Elsässer, die unablässig ihren widerlichen Hass unter die Menschen gießen. Dabei sind ihnen freilich auch die Methoden einer besoffenen Kanaille nicht schäbig genug, sie würden sich schlicht für alles Geldbringende prostituieren. Mit seinem heutigen Artikel hat der Alkoholiker Elsässer aber sein erschreckendes Allzeit-Tief erreicht.

https://juergenelsaesser.wordpress.com/2015/01/07/der-terror-in-paris-zeigt-wie-recht-pegida-hat/

Auch AfD-Gauland missbraucht das Pariser Massaker hemmungslos für seine Zwecke. Während das Volk also auf dem Pulverfass sitzt, reichen diese ekelhaften Schlangen auch noch Streichhölzer. Es wird Zeit, dass für Amokläufer wie PEGIDA-Bachmann, AfD-Gauland und Antisemiten-Else ein für alle Mal der letzte Akt zum Abschluss kommt. Dann aber wird man wieder nach Frankreich schauen müssen; denn dort braut sich eine politische Dunkelbrühe zusammen, die diese deutschen Giftzwerge im Vergleich wie das aussehen lässt, was sie im Grunde immer waren: Gescheiterte, haltlose Winzlinge, deren Ziel es ist, die eigene Erbärmlichkeit noch auf möglichst viele andere Menschen zu übertragen. Kotzen wir also kurz auf diese Jammerlappen und dann geht es darum, um die Opfer zu trauern und den europäischen Rechtsdrall zu stoppen!

dieser Gastkommentar kommt von dem in Paris lebenden Deutschen Johannes Echternach